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"Bio hat nur dann eine Zukunft, wenn es einen Mehrwert hat."

Werner Lampert im Interview mit GLOBAL 2000 - Teil 1

GLOBAL 2000

Werner Lampert hat die Bio-Eigenmarken „JA! Natürlich“ für REWE und „Zurück zum Ursprung“ für Hofer entwickelt. Er ist Autor zweier Bücher: „Schmeckt's noch? Was wir wirklich essen“ und „100 Lebensmittel, die Sie glücklich machen“. Im Interview mit GLOBAL 2000 spricht der Bio-Pionier darüber, warum sich Bio ändern muss, was für ÖsterreicherInnen Regionalität bedeutet und verrät, ob er vor hat, politisch aktiv zu werden.

 

GLOBAL 2000: Herr Lampert, „Zurück zum Ursprung“ hat mit dem Projekt „CO2 Fußabdruck“ den Klimaschutzpreis 2009 gewonnen. Welche Idee steht hinter diesem Projekt?

Werner Lampert: Die Grundidee dahinter ist folgende: Bio hat nur dann eine Zukunft, wenn es einen Mehrwert hat. Bio und Nachhaltigkeit müssen wieder eng miteinander verbunden werden. Der CO2-Fußabdruck ist die erste Säule zur Nachhaltigkeit im Bio-Bereich. Er ist eine Botschaft an die ProduzentInnen, dass sie einen anderen Weg einschlagen müssen.

 

Warum ist Bio allein kein Beispiel für Nachhaltigkeit?

Erstens ist es bei Bio Produkten erlaubt, Soja aus Südamerika zu verfüttern. Das ist ein Drama für die gesamte Welt! 15 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen entstehen durch die Abholzung des Regenwaldes. Zusätzlich werden indigene Völker und deren Lebensraum zerstört. Zweitens sind bei Bio schnell lösliche Stickstoffdüngemittel erlaubt, wie beispielsweise Federmehl von chinesischen Hühnern aus Käfighaltung. Dies ist nur ein Beispiel von Dingen, die bei Bio erlaubt sind. Das geht so natürlich nicht! Wir haben all diese Dinge untersagt.

 

Welche Ziele verfolgt „Zurück zum Ursprung“ in diesem Zusammenhang?

Bei „Zurück zum Ursprung“ wollten wir Bio, wie es noch in den 1960er-Jahren war. Wir wollten Bio, wie es sich die GründerInnen der Bio-Bewegung in den 1920er- und 1940er-Jahren vorgestellt haben. Wir haben ein klar regionales Konzept. Alle Futtermittel sind regional. Düngemittel sind verboten. Durch diese nachhaltigen Richtlinien ist ganz klar, dass wir uns in einem vollkommen anderen Bio-Raum bewegen.

 

Welche Botschaft hat der CO2-Fußabdruck für die KonsumentInnen?

Es wird täglich über CO2 gesprochen. Der Klimawandel ist die größte Dramatik, die auf die Menschheit zukommt. Er ist von Menschenhand geschaffen und nur von uns Menschen lösbar. Wenn wir den KonsumentInnen die Möglichkeit geben können, bei einem Produkt des täglichen Bedarfs auf die CO2-Emissionen und somit auf die Belastungen der Welt Rücksicht zu nehmen, ist das einfach eine wunderbare Geschichte.

 

Sie haben angesprochen, dass der CO2- Fußabdruck die erste Säule in Richtung einer nachhaltigen biologischen Landwirtschaft ist. Welche weiteren Schritte haben Sie geplant?

Bio wird sich in Österreich und überall sonst in Europa ganz radikal auf Regionalität reduzieren müssen. Ich denke, dass das nicht nur mit „Zurück zum Ursprung“ zu tun hat. Solange Bio ein Feigenblatt für den weltweit agierenden Handel ist, braucht kein Mensch Bio. Um Nachhaltigkeit ins Bewusstsein der Menschen zu bringen, braucht es Signale wie den CO2Fußabdruck. Aber um Nachhaltigkeit wirklich zum Leben zu bringen, braucht es einen gesellschaftlichen Wandel.

APA-OTS_Ludwig Schedl

Welche Voraussetzungen soll ein regionales Produkt erfüllen?

Nehmen wir als Beispiel österreichische Milch. Diese wird in Österreich als regionales Lebensmittel verkauft. Aber woher kommen die Futtermittel? Der Grünmais kommt aus Argentinien, die Gerste aus der Ukraine und das Soja aus Brasilien. Das als regionales Produkt zu verkaufen, ist doppelbödig.

Diese Sachen müssen ein Ende haben und ich denke, Bio muss hier die Speerspitze darstellen und vermitteln: „Wenn es um Regionalität geht, wenn es um Nachhaltigkeit geht, wenn es um CO2 geht, sind Sie bei uns gut aufgehoben. Wir leben das tatsächlich.“

 

Wo hört die Regionalität auf und geht in Protektionismus über? Wäre es nicht CO2-freundlicher, man würde Produkte aus dem Süden von Tschechien oder dem Westen der Slowakei kaufen, anstatt aus den Bergen von Kitzbühel?

Sie haben vollkommen Recht. Die Gefahr, dass hier alte nationalistische Reflexe bedient werden, besteht. Für ÖsterreicherInnen heißt Regionalität: aus Österreich. Wir können das aber ganz offen sehen. Für TirolerInnen wäre es vernünftiger, sie würden ihre Futtermittel aus dem Süden von Bayern kaufen, anstatt aus Nieder- oder Oberösterreich. Und natürlich wäre Gemüse aus dem südmährischen Raum für Wien optimal. Ich denke auch, hier muss ein Umdenken passieren, aber das braucht Zeit.

 

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Umweltschutz?

Ich denke, es ist für mich und für uns alle das wichtigste Thema der Gegenwart und der Zukunft. Neben der Bildungspolitik. So wie die Bildungspolitik daneben gegangen ist, so ist auch die Umweltpolitik daneben gegangen.

 

Sie sagen Umweltpolitik ist Ihnen sehr wichtig. Haben Sie sich schon einmal überlegt, politisch aktiv zu werden?

Nein!

 

Und warum nicht?

Weil Politik und mein Charakter keine Kongruenz haben. Also nein.

 

Klimaziele in Kopenhagen werden sich vermutlich nur politisch durchsetzen lassen.

Starke NGOs können hier sehr viel bewirken. Für alle wirtschaftstreibenden Konzerne ist die öffentliche Meinung das Wesentlichste, was es überhaupt gibt. Es gibt nichts Schlimmeres, als eine üble öffentliche Meinung. Diese kann von PolitikerInnen nur zu einem sehr geringen Teil gestaltet werden. Ich bin überzeugt, dass die nötigen Handlungen für die Zukunft nur über NGOs gesetzt werden. Wenn sich Menschen bei einer NGO engagieren, haben sie den Auftrag, die öffentliche Meinung zu verändern. Das ist nicht nur eine große Chance, sondern auch eine große Aufgabe. Die Kraft habt ihr, nicht die Politik.

 

Links:

 

Weiterführende Links:

 

Werner Lamperts Bücher

letztes Update: 16.12.2009 11:52
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